Die indochinesische Barttrappe

Das ACCB als letzte Verteidigungslinie

Die Rolle des Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB) beim Schutz der Barttrappe (Houbaropsis bengalensis), die als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered) eingestuft ist, ist elementar und weltweit einzigartig.

Das ACCB hat das erste Erhaltungszuchtprogramm (Ex-situ-Programm) der Welt für diese Art in Kambodscha etabliert.

 

 

Die Schlüsselrolle des ACCB

Das ACCB (ein Projekt des Allwetterzoos Münster) konzentriert sich auf den Aufbau einer sogenannten "Assurance Colony" (Sicherungs-Population) der Barttrappe. Diese Population dient als genetisches Reservoir, falls die Art in freier Wildbahn vollständig ausstirbt.

Die genauen Aufgaben des ACCB beim Schutz der Barttrappe (Houbaropsis bengalensis blandini Subspezies in Indochina) umfassen:

Ex-situ-Erhaltungszucht:

  • Das ACCB gründete 2019 die weltweit erste Erhaltungszucht-Kolonie für diese Art.
  • Die Einrichtung sammelt Eier aus gefährdeten Wildnestern in den Graslandschaften des Tonle Sap (die durch Brandrodung oder Überflutung bedroht sind).
  • Diese Eier werden im Zentrum inkubiert und die Küken von Hand aufgezogen und betreut.
  • Ziel ist der Aufbau einer gesunden Population in menschlicher Obhut, um die spätere Wiederansiedlung in geeigneten Schutzgebieten zu ermöglichen.

Rettung und Rehabilitation:

  • Verletzte oder von der lokalen Bevölkerung gefundene adulte Barttrappen werden in der Quarantänestation des ACCB aufgenommen und versorgt.

Forschung und Genetik:

  • Das ACCB führt in Zusammenarbeit mit Partnern DNA-Analysen der Population durch. Dies ist entscheidend, um die Zuchtprogramme effektiv zu verwalten und die genetische Vielfalt der Barttrappen in der Kolonie zu sichern.

In-situ-Unterstützung:

  • Obwohl die Zucht ex-situ (außerhalb des natürlichen Lebensraums) stattfindet, arbeitet das ACCB mit Partnern zusammen, die sich für den in-situ Schutz des Grasland-Lebensraumes der Barttrappe rund um den Tonle Sap (als "Bengal Florican Conservation Areas") einsetzen.

Zusammenfassend: Das ACCB agiert als letzte Verteidigungslinie für die indochinesische Barttrappe, indem es eine Reservepopulation aufbaut und deren Überleben sichert, um langfristig die Art vor dem Aussterben zu bewahren.

DEINE SPENDE FÜR DEN ARTENSCHUTZ

Bruchlandung mit Happy End

Das Team vom ACCB, ein Artenschutzzentrum des Allwetterzoo Münsters, ist immer bestrebt, seinen Tieren die bestmögliche Pflege zu bieten. Allerdings kann es zu Unfällen kommen. Insbesondere dann, wenn es um junge und gebrechliche Vögel geht, die das Fliegen lernen. 

Im jüngsten Fall ist einer Barttrappe in unserem Ex-situ-Managementprogramm für diese von der Ausrottung bedrohte Art ein solcher Unfall passiert. Ein Jungtier brach sich unglücklicherweise das Bein, als es beim Üben des Flugverhaltens unglücklich landete. 

Trotz der lokal bedingten Einschränkungen in der Tiermedizin und zum Teil fehlender Behandlungsmöglichkeiten konnte unser grandioses Team das Bein stabilisieren und die Schmerzen lindern. 

Langsam hat der Jungvogel auch schon begonnen, wieder auf beiden Beinen zu gehen. Er hat sogar sein Sprung- und Flugverhalten wieder geübt – wenn auch mit gebotener Vorsicht. Das Team des ACCB wird seine Fortschritte weiterhin überwachen und die bestmögliche Betreuung bieten. 

Dieser Fall war eine besondere Herausforderung, da die Art in Stresssituationen anfällig für eine Muskelerkrankung, die Myopathie, ist. Wir freuen uns gemeinsam mit unseren tollen Kolleginnen und Kollegen in Kambodscha, dass es dem Jungvogel dank der unglaublichen Bemühungen unserer engagierten Tierpflegerinnen und unseres Veterinärteams gut geht. 

Das Team des Angkor Centre for Conservation of Biodiveristy (ACCB) arbeitet bei der Rettung der letzten Barttrappen, weltweit gibt es keine 1000 Individuen mehr, eng und erfolgreich mit dem kambodschanischen Umweltministerium und der WCS Kambodscha zusammen. Zudem schließt sich das Team des Allwetterzoo Münster seinen Kolleginnen und Kollegen vom ACCB an und dankt dem Mohamed Bin Zayed Species Conservation Fund, dem Critical Ecosystem Partnership Fund (CEPF), der International Union for Conservation of Nature (IUCN), Mandai Nature und IUCN SSC sowie der Asian Species Action Partnership für ihre Unterstützung des Ex- Situ-Managementprogramm der Bengaltrappe. 

Langjäriges Engagement für die letzten Trappen

Im Juli 2023 entdeckte eine Bauernfamilie aus dem kambodschanischen Dorf Srah Sambour in der Provinz Kampong Thom auf dem nächtlichen Heimweg vom Ackerland ein ausgewachsenes Barttrappen-Weibchen (Houbaropsis bengalensis). Da es Anzeichen dafür gab, dass es sich um ein krankes Tier handelte, beschloss der Bauer, das Tier zu retten und es nach Hause zu bringen.

Am nächsten Morgen kontaktierten die Gemeindemitglieder ein Projektteam der Wildlife Conservation Society (WCS) und baten um Unterstützung bei der Rettung dieser kritisch von der Ausrottung bedrohten Vogelart, die in Kambodscha nur im überschwemmten Grasland des Tonlé Sap vorkommt. WCS und das Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB), das kambodschanische Artenschutzzentrum des Allwetterzoo Münsters, arbeiteten bei der Rettung der Bengaltrappen zusammen. Die Tierärztin des ACCB untersuchte den Gesundheitszustand des Tieres und verabreichte ihm Medikamente, bevor er in die Quarantänestation des ACCB gebracht wurde.

Barttrappen sind sehr anfällig für Stresssituationen, die sich erheblich auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden auswirken können. Daher stand das Tier weiterhin unter genauer Beobachtung durch das Team des ACCB. Glücklicherweise zeigte der Vogel aber innerhalb weniger Tage nach der Behandlung und dank der professionellen Pflege durch die erfahrenen Kollegen gute Anzeichen der Genesung. Zudem hatte sich der Vogel mit seiner neuen Situation in menschlicher Obhut arrangiert.

Zusammenarbeit mit Politik und NGOs

Das gerettete erwachsene Weibchen ist genetisch wertvoll für die Barttrappen-Population im ACCB und wird daher in diese ex situ Population integriert. Diese Reservepopulation ist Teil einer One-Plan-Approach Erhaltungsstrategie, die in Zusammenarbeit mit dem kambodschanischen Umweltministerium, WCS Cambodia und dem ACCB entwickelt wurde, um die Art vor der Ausrottung zu bewahren.

Die Bengaltrappe ist eine kritisch von der Ausrottung bedrohte Vogelart in Asien. Besonders betroffen ist die südostasiatische Unterart Houbaropsis bengalensis blandini, von der wahrscheinlich nur noch deutlich weniger als 250 Tiere rund um den Tonlé Sap See in Kambodscha vorkommen.

Ein Lebensraum im Wandel - und in Gefahr

Lebensraumveränderungen führen dazu, dass selbst in den Schutzgebieten die Populationen immer weiter zurück gehen. Der Gesamtbestand wird auf nur noch wenige hundert Tiere geschätzt. Auch die starken Schutzbemühungen der vergangenen zehn Jahre in den Lebensräumen konnten diese Situation nicht verbessern. Ihr Lebensraum sind regelmäßig vom Tonlé Sap See überflutete Grasländer. Diese werden aber immer stärker bebaut oder zu Reisfeldern umgearbeitet. Auch der Klimawandel und Staudammprojekte reduzieren die Fläche, die der Tonlé Sap regelmäßig überflutet, und tragen zur Bedrohung der Art bei. Zudem sind die Gewässer des Tonlé Sap sowie die des Mekong, in den der Tonlé mündet, stark verschmutzt, was zusätzlich die Lebensbedingungen dieser und vieler weiterer Arten erschwert. Es wird befürchtet, dass allen Bemühungen zum Trotz, die Art der Bengaltrappen das Ende dieses Jahrzehntes nicht erleben werden.

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