Gemeinsam gegen den Wildtierhandel in Kambodscha kämpfen

Um das eigene Karma zu verbessern, Tiere in die Freiheit entlassen? Eine schöne Idee, die aber auch den illegalen Wildtierhandel florieren lässt. Denn bevor ein Tier in die Freiheit entlassen werden kann, muss es zunächst einmal gefangen oder auf einer Wildtierfarm gezüchtet worden sein. Umso wichtiger ist, dass Menschen verstehen, dass das der falsche Ansatz ist – auch wenn die Motivation des Freilassens eine löbliche ist.

Es heißt, die Wege des Herren seien unergründlich. Doch egal ob Frau oder Herr, um ein „guter“ Gläubiger zu sein, kann es schon einmal zu kuriosen Konstellationen kommen. So zum Beispiel auch im Buddhismus. Eine gute gemeinte Geste trägt hier zu einem florierenden, illegalen Wildtierhandel bei.

In der Hoffnung auf positive Auswirkungen auf das eigene Karma, werden zum Beispiel in Kambodscha Tiere in die Freiheit entlassen. Hierbei handelt es sich aber nicht um verletzte und wieder genesen oder gerettete Tiere, sondern um gekaufte Exemplare, die eigens für diesen Zweck gefangen worden sind. Dadurch ist ein regelrechter Wildtiermarkt entstanden, der nur darauf ausgerichtet ist, Tiere an Gläubige zu verkaufen – nur um sie später wieder einzufangen und erneut verkaufen zu können, so das Prozedere.

Die Tatsache, dass illegal gehandelte Wildtiere gekauft und an buddhistische Klöster gespendet werden, fördert die Wilderei in dem asiatischen Land. Aber das ist nicht die einzige Herausforderung. Hinzu kommt, dass eine wachsende Anzahl an Klöstern diese Tiere aus Unwissenheit dauerhaft unter nicht tiergerechten Bedingungen halten. Diese Tatsache ist auch die Initialzündung gewesen, weshalb es zu der Zusammenarbeit zwischen dem Angkor Center for Conservation of Biodiversity (ACCB), einer 100-prozentigen Einrichtung des Allwettzoos in Münster, und der Welttierschutzgesellschaft (WTG) gekommen ist. Gemeinsam haben sie ein Lehrbuch für buddhistische Mönche entwickelt. Damit wollen sie sie in einem weiteren Schritt als Tierschutzbotschafter ausbilden. Als Multiplikatoren unterstützen sie dann die Artenschützer dabei den Wildtierschutz in Kambodscha zu stärken.

Fehlendes Wissen

Dass das ACCB und die WTG den Weg über die Geistlichen gehen, um die Bevölkerung zu erreichen, hat einen guten Grund. Buddhistische Mönche genießen in Kambodscha hohes Ansehen. Dadurch haben sie einen großen Einfluss auf die Gesellschaft. Diesen nutzen sie dann in weiteren Schritten, um dieser Tradition, die zu viel Tierleid führt, ein Ende setzen können.

Das Wissen der Mönche über die verschiedenen in Kambodscha heimischen Wildtiere ist allerdings sehr begrenzt. So ist es unter anderem nicht Teil ihrer Ausbildung. Dadurch wissen die Geistlichen in vielen Fällen auch nicht, was für ein Tier sie gerade vor sich habe. Das führt auch dazu, dass sie die geschenkten Tiere zunächst oftmals gar nicht identifizieren, Erste-Hilfe-Maßnahmen nicht durchführen und sie ebenso wenig tiergerecht halten können. Auch mangele es ihnen an Wissen über bestehende Gesetze und Vorschriften im Wildtierbereich sowie über den Schutz von Wildtieren.

Ein Tierschutzlehrbuch für Mönche

Recherchen der Organisationen hatten ergeben, dass es schon an einfachsten Dingen mangelt. Dazu zählte auch das Fehlen geeigneter Unterrichtsmaterialien. Das verhinderte bislang den Einbezug der Tierschutzthematik in die Mönchsausbildung. Aus diesem Grund haben WTG zusammen mit dem ACCB sowie einigen Mönchen ein Lehrbuch für buddhistische Klöster in Khmer-Sprache, der Amtssprache Kambodschas, entwickelt. In einem ersten Schritt wurden 250 Exemplare gedruckt. Diese werden dann in Klöstern, an buddhistischen Universitäten sowie bei lokalen Regierungsvertretern vorgestellt.

Die Zustimmung der lokalen Regierung war dabei die Voraussetzung für einen offiziellen Einsatz der Bildungsmaterialien in den Klöstern. Mit Mönchen der nahen Umgebung des Artenschutzzentrums wurde anschließend die Nutzung des Buches getestet. Im aktuellen Projektschritt gehen diese Bücher schrittweise an mehrere Klöster der Provinz Siem Reap sowie darüber hinaus. Klöster, die Wildtiere halten, werden in diesem Rahmen gesondert angesprochen, mit dem Ziel, dass sie die Tiere in professionelle Hände wie zum Beispiel an das ACCB übergeben.

Das völlig neu konzipierte Lehrbuch bildet somit die Grundlage zukünftiger Tierschutzbildungsprogramme für Mönche. Es verbleibt in den jeweiligen Klöstern zum Selbststudium und erreicht so über einen langen Zeitraum viele Mönche. Das Werk erklärt die Zusammenhänge zwischen der Praxis des Schenkens von Tieren und dem Leid dieser Wildtiere. Ferner gibt es den Mönchen Argumente an die Hand, um bei den Gläubigen ein Bewusstsein für mehr Tierwohl zu schaffen und diese buddhistische Tradition langfristig zu beenden. Eine entsprechende Pilotphase ist im Jahr 2023 gestartet. Für den Auftakt haben sich die Partner erstmal auf wenige, in der Nähe des ACCB liegende Tempel konzentriert. Mit dortigen Mönchen wollten sie herausfinden, wie die Gläubigen am besten für Themen wie Arten- und Tierschutz sensibilisieren werden können, ohne sie in ihrem Glauben einzuschränken.

Verzögerungen durch Corona

Theoretisch wäre das Projekt mittlerweile im vollen Gange – wäre da nicht die Pandemie auf die Weltbühne getreten. Das Coronavirus hatte das Vorhaben über einen längeren Zeitraum und ausgerechnet in der Anfangsphase ausgebremst. WTG und ACCB waren aber zu Zeiten des Virusausbruches sehr bemüht, die ersten Erfolge nicht im Sande verlaufen zu lassen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten halten sie die Kontakte zu Multiplikatoren und konnten, wenn auch verspätet, loslegen.

Dass die Mönche und alle anderen vor Ort dem Thema grundsätzlich aufgeschlossen gegenüberstehen und Interesse zeigen, wurde 2014 deutlich, als das ACCB eine Tierschutzweiterbildung für Mönche durchführte – die erste ihrer Art in Kambodscha. Die Teilnehmerzahlen überstiegen dabei weit die Erwartungen. Mehr als 700 Mönche aus mehr als 30 Klöstern nahmen teil. Das Feedback war durchweg positiv und es gab zahlreiche Anfragen nach zusätzlichen Weiterbildungen dieser Art.

 

Disclaimer/Hinweis: Dieser Text wurde in abgewandelter Form zuerst von Sebastian Rohling auf ALLES MÜNSTER veröffentlicht.

Der Workshop wurde von ACCB in Partnerschaft mit der Archäologie- und Entwicklungsstiftung (ADF), Phnom-Kulen-Programm, organisiert und brachte Teilnehmer aus neun Pagoden im gesamten Park zusammen. 

Diese Initiative wurde durch die großzügige Unterstützung der Welttierschutzgesellschaft WTG e.V. ermöglicht.

Im Okotber 2025 gab es dann erneut tolle Nachrichten zum Projekt mit den Mönchen. Es war dem ACCB-Tea, eine Ehre, seine Arbeit „Buddhistische Mönche engagieren sich für den Schildkrötenschutz: Eine Brücke zwischen Glaube und Naturschutz“ auf dem 23. Jahressymposium zur Erhaltung und Biologie von Landschildkröten und Süßwasserschildkröten in Chattanooga, Tennessee, USA, zu präsentieren. 

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Update zum Projektverlauf

Internationales Interesse

Es war allen eine Freude, an diesem jährlichen Treffen von Kollegen, Herpetologen, Biologen, Naturschützern, Tierärzten, Studierenden und anderen Fachleuten teilzunehmen, die sich der Förderung von Wissen und Zusammenarbeit in der Schildkrötenforschung und im Schildkrötenschutz widmen. 

Das gesamte Team des ACCB dankt der Turtle Survival Alliance und der IUCN SSC Tortoise and Freshwater Turtle Specialist Group (TFTSG) herzlich für ihre Unterstützung und die Möglichkeit zur Teilnahme. Der Dank gilt ferner auch allen Sponsoren, die diese wichtige Veranstaltung ermöglicht haben.

Im Juni 2025 das Team des ACCBs zu Wat Anlong Thom zurück, um sich im Anschluss an ihren zehntägigen Naturschutzworkshop, der von November 2024 bis Januar 2025 stattfand, zu einem Folgetreffen zu versammeln. 

Der Workshop, der im Phnom-Kulen-Nationalpark durchgeführt wurde, befasste sich mit den Herausforderungen des Naturschutzes in Kambodscha, dem Zusammenhang zwischen buddhistischen Werten und Umweltschutz sowie der Bedeutung des Tierschutzes. Die Anwesenden hörten von buddhistischen Mönchen, Laien, Bezirksbeamten und Parkwächtern, wie sie das Gelernte angewendet und weitergegeben haben, was die wachsende Bedeutung des glaubensbasierten Naturschutzes verdeutlicht. 

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