Warum ein Artenschutzzentrum? 
Und warum Kamboscha?

Es gibt mehrere zwingende Gründe, warum die Gründung und Unterstützung eines Artenschutzzentrums wie dem ACCB in Kambodscha eine so wichtige und notwendige Maßnahme ist:

Kambodscha ist ein Hotspot der Bedrohung

Kambodscha ist zwar ein Land mit einer immensen, oft unterschätzten Artenvielfalt (z.B. fast 600 Vogelarten), aber diese Biodiversität ist extrem bedroht. Ein Zentrum vor Ort ist deshalb so wichtig, weil es direkt an der Quelle des Problems ansetzt.

Massive Wilderei: Kambodscha und die Mekong-Region sind stark von der sogenannten "Schlingfallen-Krise" betroffen. Wilderer legen Hunderttausende billige Fallen aus Draht und Seilen aus. Diese Fallen töten wahllos kleine, mittlere und sogar große Säugetiere wie Bären, Schuppentiere und Gibbons, um sie für den illegalen Wildtierhandel (oft nach China) oder als Bushmeat zu verkaufen.

Lebensraumverlust: Die schnelle wirtschaftliche Entwicklung führt zu massiver Entwaldung. Wälder werden gerodet, um Platz für Landwirtschaft oder den illegalen Holzeinschlag zu schaffen, was den Tieren ihre Lebensgrundlage nimmt.

Fehlendes Bewusstsein: Das Bewusstsein für Tierschutz und Artenschutz ist in weiten Teilen der Bevölkerung oft noch gering, was Traditionen wie den Wildtierhandel oder das Halten exotischer Tiere als Haustiere begünstigt.

Die "Rettungskette" vor Ort

Ein Zentrum wie das ACCB ist die kritische Infrastruktur, um die Tiere in Kambodscha selbst zu retten:

Auffangstation und Tierklinik: Es bietet die einzige Möglichkeit, beschlagnahmte Tiere aus illegalem Handel, sowie verletzte oder verwaiste Tiere schnell zu versorgen und zu rehabilitieren. Ohne diese Zentren gäbe es keine professionelle Anlaufstelle für die kambodschanischen Behörden.

Wiederansiedlung: Das oberste Ziel ist immer die Auswilderung (In-situ). Das Zentrum stellt sicher, dass gerettete Tiere medizinisch fit gemacht und auf das Überleben in der Wildnis vorbereitet werden, bevor sie in geschützte Gebiete entlassen werden.

Erhaltungszucht für kritisch bedrohte Arten (Ex-situ)

Kambodscha beheimatet einige der am stärksten bedrohten Arten der Welt, die ohne menschliche Hilfe im Freiland kaum noch überleben können.

Reservepopulationen: Das ACCB betreibt Erhaltungszuchten für Arten wie hochbedrohte Schildkröten oder den Weißschulteribis (einer der seltensten Vögel der Welt). Solche Programme sind essentiell, um eine genetisch gesunde Reservepopulation aufzubauen, falls die Wildpopulationen kollabieren.

Forschung und Fachwissen: Das Zentrum dient als Basis, um dringend benötigtes Wissen über die Biologie dieser seltenen Arten zu sammeln und kambodschanische Fachkräfte im Naturschutz auszubilden.

Wo findet Artenschutz statt?

Kurz gesagt: Ein Artenschutzzentrum in Kambodscha ist ein dringend benötigter Pfeiler, um die Rettung, Rehabilitation und langfristige Erhaltung der einzigartigen, aber stark gefährdeten Tierwelt des Landes zu gewährleisten. Dabei ergänzen sich der in-situ und ex-situ-Artenschutz um ein Überleben bedrohter Arten zu ermöglichen.

In situ 
Artenschutz

Ex situ 
Artenschutz

Was wiegt am Ende mehr?

Der Konflikt zwischen Artenschutz und Tierschutz entsteht, weil beide Disziplinen unterschiedliche Schutzziele verfolgen: Der Tierschutz fokussiert sich auf das Wohlbefinden des einzelnen Tieres (Individuum), während der Artenschutz die Existenz der gesamten Art (Population) in ihrem Ökosystem sichern will.

Dieser fundamentale Unterschied führt in der Praxis zu Dilemmata. So können manche Maßnahmen, die für den Fortbestand einer hochgradig bedrohten Art notwendig sind, für einzelne Tiere Leid bedeuten oder deren Tod erfordern.

Der Konflikt ist ein ethisches Spannungsfeld zwischen dem Recht auf Leben und Unversehrtheit des Individuums (Tierschutz) und der Pflicht zur Bewahrung der Schöpfung (Artenschutz). In der Praxis versuchen wir im Allwetterzoo und in unseren Artenschutzzentren jedoch, beide Ziele so weit wie möglich zu vereinen. Dafür tauschen sich Expert:innen aus verschiedenen Fachbereichen regalmäßig aus, um das bestmögliche zu erreichen - auch wenn einzelne Entscheidungen nicht immer sofort ersichtlich sind.

Tierschutz
oder
Artenschutz?

1.

Maßnahmen zum Wohl der Art vs. Leid des Individuums

Tötung von Fressfeinden (Prädatoren): Um eine extrem gefährdete Beutepopulation (z. B. seltene Vögel oder Meeresschildkröten) zu schützen, kann der Artenschutz die Kontrolle oder Tötung von eingeführten oder überzähligen Fressfeinden (z. B. Ratten oder Füchse auf Inseln) fordern. Dies steht im direkten Konflikt mit dem Tierschutz, der die Tötung von Tieren grundsätzlich ablehnt.

Bestandsmanagement: In Zoos oder Zuchtprogrammen kann es zur Selektion kommen. Wenn genetisch wichtige Tiere sich übermäßig vermehren und der Platz begrenzt ist, kann die Tötung (Euthanasie) genetisch weniger wertvoller Nachzuchten notwendig sein, um die gesamte Population gesund und überlebensfähig zu halten. Dies ist aus Tierschutzsicht ethisch fragwürdig.

2.

Behandlung kranker oder verletzter Tiere

Artenschutzperspektive: Ein verletztes Tier (z. B. ein seltener Greifvogel) wird oft nur gerettet und behandelt, wenn eine Wiederansiedlung in der Wildnis möglich ist und es zur genetischen Vielfalt beitragen kann. Tiere mit bleibenden Schäden, die nicht mehr auswilderbar sind, können als "nutzlos" für die Population betrachtet werden.

Tierschutzperspektive: Ein Tier muss unabhängig von seiner Artzugehörigkeit oder Auswilderungsfähigkeit behandelt und gerettet werden, solange es ein lebenswertes Leben führen kann. Tierschützer würden sich für die lebenslange Pflege nicht-auswilderbarer Tiere einsetzen, auch wenn dies Ressourcen bindet.

3.

Schutz des Lebensraums vs. Schutz der Haltung

Artenschutz (In-situ): Der Fokus liegt auf dem Schutz des Ökosystems und der natürlichen Prozesse. Die Erhaltung der Art im natürlichen Lebensraum hat die höchste Priorität, auch wenn das mit harten Maßnahmen (wie der strikten Trennung von Menschen und Tieren oder der Umsiedlung von Tieren in Gebiete mit Jagdrisiko) verbunden ist.

Tierschutz (Haltung): Der Fokus liegt oft auf dem Design von Gehegen oder Haltungsbedingungen (Ex-situ, wie in Zoos). Hier kann der Tierschutz fordern, dass Gehege nach den individuellen Bedürfnissen der Tiere optimiert werden, auch wenn die Haltung als solche dem Ziel des Artenschutzes (Wiederansiedlung) nur bedingt dient.

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Kontakt

Allwetterzoo Münster 
Westfälischer Zoologischer Garten Münster GmbH 
Sentruper Straße 315 
48161 Münster 

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