Drei Küken für den Artenschutz
Das kambodschanische Artenschutzzentrum ACCB, das vom Allwetterzoo Münster getragen wird, verzeichnete 2023 und 2024 einen bahnbrechenden Erfolg beim Schutz des Weißschulteribis (Pseudibis davisoni).
Einzigartige Nachzuchten geben Hoffung
Bereits im April 2023 schlüpften Küken der Art im ACCB, was möglicherweise die Welterstnachzucht in menschlicher Obhut darstellte. Dieser Erfolg wurde im März 2024 noch übertroffen: Erstmals gelang es einem Paar, zwei Küken erfolgreich auszubrüten und aufzuziehen – eine Premiere für diese kritisch bedrohte Art in Gefangenschaft.
Dr. Philipp Wagner, Kurator für Artenschutz & Forschung am Allwetterzoo Münster, betonte, dass der Erfolg die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges bestätigt. Die insgesamt drei Jungtiere sind entscheidend für den Aufbau einer genetisch gesunden Reservepopulation, die zur Stützung der schwindenden Wildbestände Kambodschas genutzt werden soll.
Forschung im Fokus
Der Weißschulteribis ist eine der am stärksten bedrohten Vogelarten der Welt (IUCN: kritisch vom Aussterben bedroht; Edge-List: Nr. 16 der bedrohtesten Vögel). Mit einer geschätzten Mindestpopulation von nur 792 Individuen (Stand 2022) in Kambodscha ist die Bedrohung akut.
Da kaum Wissen über die Haltung und Zucht dieser Vögel existierte, dient das ACCB als wichtige Forschungseinrichtung. Die Tiere der Zuchtgruppe stammen aus illegalen Haltungen und wurden nicht ausgewildert, um Verhaltensdaten zu sammeln. Die hier gewonnenen Erkenntnisse über die Brutgewohnheiten der Tiere fließen direkt in die Schutzbemühungen ein.
Ganzheitlicher Schutzansatz
Der Erfolg in der Zucht ist nur ein Baustein des umfassenden Artenschutzkonzeptes:
- Schutz des Lebensraumes: Die Bedrohungen durch Umwandlung von Feuchtgebieten in Reisfelder, aktive Bejagung und Trockenheit erfordern Maßnahmen vor Ort.
- Ökonomische Lösungen: Das ACCB unterstützt Projekte wie das "Ibis Rice Project", bei dem Landwirte einen höheren Preis für ihren Reis erhalten, wenn sie sich verpflichten, Ibis-freundlich anzubauen und nicht zu jagen.



