Die Königliche Schildkröte
Sensationeller Zuchterfolg im ACCB
Der Allwetterzoo Münster kann im Jahr 2022 einen fast einmaligen Zuchterfolg im Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB) in Kambodscha präsentieren. Im April schlüpfte dort eine Südliche Flussschildkröte der Unterart Batagur affinis edwardmolli. Dieses Tier ist erst das zweite Jungtier dieser extrem bedrohten Unterart, das jemals in einem Erhaltungszuchtprogramm zur Welt kam.
Kambodschas Nationales Reptil
Diese in Kambodscha vorkommende Unterart wurde erst 2009 wissenschaftlich beschrieben und galt im Land bereits als ausgestorben. Sie ist das Nationale Reptil Kambodschas und gehört als kritisch vom Aussterben bedroht zu den 25 am stärksten bedrohten Schildkröten der Welt. Die Art hatte einst eine hohe kulturelle Bedeutung: Sie stand unter königlichem Schutz, ihre Eier durfte nur die Königinmutter sammeln, und sie ist auf Reliefs der Tempelanlagen in Angkor überliefert. Historisch kam sie im Mekong und im Tonlé Sap, dem größten Süßwassersee Südostasiens, vor.
Das wertvolle Muttertier
Die Wiederentdeckung der Art gelang im Jahr 2000 im Flusssystem des Sre Ambel. Eier aus den Gelegen wurden entnommen und in eigens gegründeten Zentren bebrütet, wobei die geschlüpften Tiere auf zwei Zuchtpopulationen, eine davon das ACCB, verteilt wurden. Nachdem die Züchter lange auf die Geschlechtsreife der Tiere warten mussten und im letzten Jahr das erste Jungtier in einem der Zentren schlüpfte, zog das ACCB nun nach.
Das im ACCB geschlüpfte Jungtier ist besonders wertvoll, da die Mutter eine einzigartige Geschichte hat: Das Tier, das auf ein Alter von mindestens 60 Jahre geschätzt wird, wurde vermutlich während des Krieges zwischen Vietnam und dem Demokratischen Kampuchea der Roten Khmer von einem vietnamesischen Soldaten erworben und lange Zeit in Vietnam als Haustier gehalten. Erst 2012 wurde das Tier nach Kambodscha zurückgebracht und dem ACCB übergeben. Da es genetisch nicht mit den anderen Tieren der Zucht verwandt ist, ist es für die genetische Diversität der Population äußerst wichtig. Dieser Erfolg im ACCB bestätigt die hohe Qualität der Haltungsbedingungen.
Mensch als Hauptbedrohung
Die Bedrohungen für die Südliche Flussschildkröte sind ausschließlich auf den Menschen zurückzuführen. Die Tiere werden entweder sehr direkt durch das Sammeln der Tiere und ihrer Eier zu Nahrungszwecken getötet oder indirekt durch den Verlust ihrer Lebensräume, der durch Entwaldung, Sand-Abbau und Wasserverschmutzung entsteht. Die Art stirbt nicht von selbst aus, sondern wird aktiv ausgerottet. Sie gehört zu den am stärksten bedrohten Schildkröten weltweit, was die akute Krise der gesamten Schildkrötenpopulation unterstreicht, da rund 60 Prozent aller Schildkrötenarten durch menschliche Einflüsse bedroht sind. Aus diesem Grund hat der Allwetterzoo in seinen Artenschutzzentren einen starken Fokus auf die Haltung und Zucht zahlreicher bedrohter asiatischer Schildkrötenarten gelegt.
