Unser eigenens Auswilderungsprojekt
Premiere für die Teams von ACCB und Allwetterzoo
Ministerin a.D. Svenja Schulze betonte die immense Wichtigkeit des Engagements: Der fortschreitende Artenverlust bedrohe das Leben auf der Erde und die Biodiversität noch stärker als der ebenfalls verheerende Klimawandel.
Die Dringlichkeit des Schildkrötenschutzes
Das Projekt fokussiert sich auf die Gelbkopfschildkröte (Indotestudo elongata), die von der Weltnaturschutzorganisation IUCN als kritisch vom Aussterben bedroht (CR) eingestuft wird. Diese Höherstufung der Bedrohung fand bereits 2019 statt, was die Dringlichkeit der Schutzmaßnahmen dramatisch erhöhte.
Zoodirektorin Dr. Simone Schehka hob hervor, dass 60 Prozent aller Schildkrötenarten weltweit mindestens bedroht sind, was sie zu einer der am stärksten gefährdeten Wirbeltiergruppen macht. Die Gelbkopfschildkröte wurde in der Vergangenheit massiv für den illegalen Handel als Nahrungsmittel aus ihrem Habitat entnommen – ein Hauptgrund für den starken Einbruch ihrer Bestände. Die Tiere wurden bereits seit der Gründung des ACCB im Jahr 2004 aufgenommen, um sie vor diesem Handel zu retten.
Dr. Philipp Wagner, Kurator für Artenschutz & Forschung am Allwetterzoo Münster und zuständig für das ACCB, erklärte, dass bereits vor Jahren beschlossen wurde, die Reservepopulation der Art so zu managen, dass eine aktive Auswilderung möglich ist.
Vorbereitung und Überwachung im Schutzgebiet
Für das Projekt musste zunächst ein geeigneter, geschützter Lebensraum im Norden Kambodschas gefunden werden, der die nötigen Habitate und Futterpflanzen bietet und in dem die Gefahr der Wilderei auf ein Minimum reduziert werden konnte. Dort arbeitet das ACCB mit der lokalen Organisation Rising Phoenix zusammen, die das Schutzgebiet betreut.
Die Tiere wurden vor der Freilassung markiert und medizinisch untersucht. Die Leiterin des ACCB vor Ort, Christel Griffioen, beschrieb die Bauphase der Soft-Release-Anlage: Dieses umzäunte Hektar große Areal ermöglichte es den Schildkröten, sich langsam an den neuen Lebensraum zu gewöhnen und die Überwachung zu erleichtern (u.a. durch regelmäßiges Wiegen). Vor einem Jahr wurden die ersten 100 Nachzuchten in diese Anlage überführt.
Die eigentliche Freilassung erfolgte durch das Öffnen des Tors der Soft-Release-Anlage. Um den weiteren Weg der Tiere zu dokumentieren, wurden Kameras mit Bewegungsmeldern installiert, und 20 Tiere mit Sendern ausgestattet.
Dr. Wagner und Dr. Schehka betonten gemeinsam den tiefen Sinn dieses Moments, da die gemeinsame Planung des Teams im ACCB nun dazu führte, die erste eigene Nachzucht in die Natur entlassen zu sehen.



