2. Auswilderungsprojekt steht kurz bevor
Erfolg bei der Zucht der Gelbkopftempelschildkröte
Das Team des ACCB bereitet aktuell sein zweites Auswilderungsprojekt vor. Im konkreten geht es dabei um die Wiederansiedlung der Gelbkopftempelschildkröte der Unterart annandalli grandis.
Das Angkor Centre for Conservation of Biodiversity hat einen wichtigen Erfolg bei der Zucht der Gelbkopftempelschildkröte (Heosemys annandalei) erzielt. Nachdem das Zentrum seit 2015 erfolglos versucht hatte, diese Art zu züchten, kam es im Jahr 2024 zum Durchbruch. Mehrere Weibchen legten Eier, und Ende März schlüpften die ersten Jungtiere. Dieser Zuchterfolg ist besonders relevant, da die Art als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered, CR) gilt. Sie ist massiv durch den illegalen Wildtierhandel bedroht, da sie für den Verzehr, die traditionelle Medizin sowie für die Praxis der Freilassung von sogenannten "Gebetstieren" gesammelt wird. Der erfolgreiche Nachwuchs sichert die Versicherungspopulation (assurance population) im ACCB und ist entscheidend für die langfristige Strategie, die Bestände in der Wildnis durch Auswilderungen wieder zu stärken. Die Zucht dieser als schwierig geltenden Art unterstreicht die wachsende Expertise des ACCB-Teams im Ex-situ-Artenschutz in Kambodscha.
Die Gelbkopftempelschildkröte ist von der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) als "Vom Aussterben bedroht" (Critically Endangered, CR) eingestuft. Dies ist die höchste Bedrohungsstufe vor dem Aussterben in freier Wildbahn und kennzeichnet Arten, deren Population in den letzten drei Generationen (oder 30 Jahren) um mindestens 80 % zurückgegangen ist oder deren Aussterberisiko extrem hoch ist.
Ursachen des dramatischen Rückgangs
Der Hauptgrund für den kritischen Status ist der massive, unregulierte Fang der Tiere in ihren gesamten Verbreitungsgebieten (Südostasien, einschließlich Kambodscha, Thailand und Vietnam). Dieser Fang wird durch mehrere Faktoren angetrieben, die alle auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen sind:
1.
Asiatischer Wildtierhandel (TCM und Verzehr)
Die Schildkröte wird in großen Mengen für den Nahrungsmittelmarkt (Fleisch) und die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) gesammelt. Da große, geschlechtsreife Tiere die wertvollsten sind, dezimiert der Handel die für die Fortpflanzung wichtigen Elterntiere.
2.
Gebetstiere (Prayer Animals)
Paradoxerweise wird die Schildkröte oft von religiösen Gläubigen gekauft, um sie in Tempelteichen freizulassen (sogenannte "Gebetstier-Freilassungen"). Obwohl dies als wohltätige Geste gedacht ist, führt es dazu, dass die Tiere aus ihren natürlichen Flüssen und Sümpfen entfernt werden, ihre Populationen fragmentiert und die Überlebensfähigkeit der Restpopulationen stark reduziert wird.
3.
Lebensraumverlust
Die Zerstörung von Feuchtgebieten, Sümpfen und langsam fließenden Gewässern durch Landwirtschaft und Infrastrukturbau reduziert ihre natürlichen Habitate zusätzlich.
Die Bedeutung der Zucht im ACCB
Der Zuchterfolg im ACCB gewinnt vor diesem Hintergrund eine immense Bedeutung:
Letzte Chance:
Da die Wildpopulationen wahrscheinlich zu stark dezimiert sind, um sich ohne Hilfe zu erholen, dient die Zucht im ACCB als Versicherungspopulation (assurance population).
Genetische Diversität:
Der Zuchterfolg mit der genetisch einzigartigen Mutter aus der Kriegswirren-Rettung ist entscheidend, um die genetische Vielfalt der gesamten Reservepopulation zu erhöhen, was für die langfristige Überlebensfähigkeit der Art unerlässlich ist.
Wiederansiedlung:
Die Nachzuchten sind die einzige Quelle für zukünftige, wissenschaftlich begleitete Wiederansiedlungsprogramme in geschützten Gebieten Kambodschas, nachdem der Wildereidruck hoffentlich durch lokale Naturschutzmaßnahmen reduziert wurde.
